SABINE ASGODOM Wege aus der Krise: Frauen retten die Welt

Ja, ich glaube daran.

Vermeintliche Schwächen von Frauen entpuppen sich jetzt als erfolgsversprechende Stärken für die Welt. Oder, wie meine Kollegin Liz Howard von ihrer amerikanischen Großmutter gelernt hat: „When you need help, ask a woman!“

Dazu möchte ich Ihnen sieben Thesen und drei Provokationen vorstellen.

 

Erst die sieben Thesen:

Das männliche Prinzip ist vor die Wand gefahren.

Die Globale Elite, die derzeit die Wirtschaft prägt, besteht aus 6000 bis 8000 Top-Managern. Die sind verantwortlich für die Krise (so z.B. Richard Sennet und Saskia Sassen von der London School of Economics). Darunter sind höchstens 10 Frauen. Das männliche Prinzip kann auch von Frauen vertreten werden.

 

Das weibliche Prinzip stoppt Höhenflüge.

Das weibliche Prinzip des Nähren und Bewahren stoppt Höhenflüge. Frauen sind näher am Leben, sprich an der Realwirtschaft. Sie sind weniger gefährdet, Fantasieprodukte zu verkaufen. Frauen leben die Balance zwischen Arbeit, Erfolg, Familie und weiteren sozialen Beziehungen. Das weibliche Prinzip kann auch von Männern vertreten werden.

Es können übrigens auch beide Prinzipien von Frauen vertreten werden.

Ein Beispiel: Verbraucherministerin Ilse Aigner, die das Ausbringen von Gen-Mais verbietet. Bildungsministerin Annette Schavan, die darauf die Chancen der Forschung eingeschränkt sieht.

Ich sage ab jetzt einfach Männer und Frauen, wissend, dass es auch „sone und sone“ gibt. Okay?

 

Frauen fühlen sich der Sache verpflichtet.

Ob in Verantwortung oder nicht, Frauen fühlen sich ihrem Projekt, ihrem Team, ihrem Unternehmen verpflichtet. Sie sind Arbeitsstellen-treu. Selbst wenn sie Chefin werden, fühlen sie sich dem Ergebnis verpflichtet. Männer achten genauso auf ihr persönliches Fortkommen, sprich auf Tantiemen, Prämien, Karriere. Und beziehen diese Aussichten in ihre Überlegungen ein. Das haben Studien gezeigt.

Ein Gedanke dazu: Elefantenherden werden von den Elefantenkühen geleitet. Elefantenbullen entwickeln sich zu Einzelgängern. Die Klugheit der Kühe ist dafür verantwortlich, wie gut es der Herde geht.

 

Frauen achten auf Qualität statt Quantität.

Frauen sind oft die Bedenkenträger und Spielverderberinnen in Unternehmen, sind oft lästig, weil sie die Träume der großen Jungs zum Platzen bringe, indem sie sagen „Aber das geht doch nicht. Dafür gibt es doch gar kein Budget.“ Oder „Hallo, da gibt es doch Gesetze. Das verstößt gegen das Recht .“ Männer machen was geht, handeln mit fiktiven Größen. Hauptsache: Make Money.

Beispiel Ethikabend: Es ging um umstrittene Methoden und Usancen im Weiterbildungsbereich. Die anwesenden Frauen brachten in der Diskussion ihre Bedenken vor.

Die Männer priesen die „Geschäftsideen“ und verwahrten sich gegen das „Moralisieren“.

 

Frauen können besser mit Geld umgehen.

Frederic Herzberg, einer der Begründer der Motivationsforschung hat mal ein Krankenhaus beraten, das Defizite schrieb. Unter anderem ging es darum, wer kauft das Reinigungsmaterial. Herzberg empfahl, die Reinigungsfrauen damit zu beauftragen. Einwände ware: „Was, das sind arme, ungebildete Frauen, Schwarze, Einwanderinnen?“ „Ja eben“, sagte Herzberg, „die können rechnen.“

Die Erfahrung aus Entwicklungshilfeprojekten in Afrika, aber auch der Grammeen-Bank zeigen, wenn das Geld/Darlehen den Frauen in einem Ort gegeben wird, hat die ganze Gemeinschaft etwas davon.

Gibt man es Männern, ist es oft weg. Das heißt: Frauen stehen oft für die „kleine Einheit“, das überschaubare Projekt. Frauen, die sich selbstständig machen, verdienen meistens weniger als männliche Selbstständige, sie gehen aber auch weniger Pleite, weil sie „klein anfangen“ und nicht mit Superbüro und Dienstwagen. Wenn die großen Einheiten versagen, schafft das Raum für kleine Neuanfänge.

 

Frauen kennen Selbstzweifel

Und sie kämpfen mit Selbstzweifeln. Sind daher bemühter, fleißiger und einsatzfreudiger. Sie wollen Dinge verstehen und ordentlich tun und machen dafür Überstunden. Sie versprechen nicht zu viel und tun alles, um Versprochenes zu halten. Die Chance, dass sie selbstgefällig werden, ist gering. Männer halten sich für überlegen und unangreifbar. Ich habe immer wieder beobachtet: Bei Fehlern sprechen Frauen von „Ich“, Männer von „Wir“, bei Erfolgen ist es genau andersherum: Frauen sagen „…haben wir…“, Männer sagen „…ist es mir gelungen…“ Frauen setzen auf Teamleistung und sagen es auch.

Ein international arbeitender Unternehmensberater, xxx xxx, hat neulich in der Zeitschrift „Wirtschaft und Weiterbildung“ berichtet, dass Top-Banker, die er gefragt hat, nicht wussten, was Derivate sind. Ihre eigenen Banken haben Milliardenumsätze und dann -verluste damit gemacht. Und sie selbst konnten ihre Produkte nicht erklären.

 

Frauen sind sperriger

Frauen sind kritischer und nicht so leicht zu überzeugen. Frauen trauen sich, Fragen zu stellen, wenn sie etwas nicht verstehen. Sie fahren weniger auf das Bullshit-Bingo ab, bei dem Worthülsen durch den Raum geschossen werden.

Ich behaupte: Frauen können nicht so gut dienen. Männer nehmen das Gesabbel hin und machen sich anschließend darüber lustig. Eine Frau gibt sich die Blöße und fragt: „Was meinen Sie mit Kollateralschaden?“ Sie fragen auch nach dem Sinn von technischem Streben. Beispielsweise: Warum müssen wir für viele Milliarden den Mars erobern? Was will der Mensch, äh, der Mann da? Was steckt dahinter? Haben wir nicht genügend Herausforderungen auf der Erde? Zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser! Ist das nicht Herausforderung genug?

 

Weiter zu den drei Provokationen

 

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